Montag, 4. Januar 2010

Altersdurchmischtes Lernen in der Unterstufe / in der Mittelstufe

Zur Frage des altersdurchmischten Lernens sind wir in einem zweijährigen, offenen Prozess. Gegen Ende Schuljahr muss entschieden werden, ob diesbezüglich Schulentwicklungstage (für Besuche/Referate etc.) geplant werden sollen. Gefragt ist im Lehrerteam und bei der Behörde eine offene Haltung für alle Pro- und Kontra-Argumente.


Mit diesem Blog möchten wir die Argumente PRO und KONTRA bis zu den Sportferien zusammentragen. An der kommenden SK 3 vom 19.1. möchte ich ein Dreiergrüppchen zusammenstellen, welches die Argumente ab 15.2. ordnet und an der SK 4 vom 9.3. eine sachliche Diskussion moderiert. Es sollen einige Fazite herausgearbeitet werden, welche uns ermöglichen, an der Evaluation/planung im Mai festzulegen, ob wir das Thema für das kommende Schuljahr in die Schulentwicklung mit einbeziehen.

Bitte besucht den Blog und nennt eure Überlegungen, tragt Erfahrungen zusammen und bezeichnet auch die betroffene Schulstufe (UST/MST)


Besten Dank! Martin

15 Kommentare:

  1. Qualitätsverlust 1

    Das Modell AdL oder Mehrklassenunterricht werden den heutigen Anforderungen gerade auf der Mittelstufe nicht mehr gerecht. Mit Team-Teaching, dem frühen Fremdspracheunterricht in Englisch und Französisch, dem differenzierten Mathematikunterricht, aber auch dem Sportunterricht stellt die Unterrichtsorganisation eine immer grössere Herausforderung dar. Die Organisation erfordert sehr viel – zuviel - Aufwand und bringt (zu)wenig Ertrag. Der sehr grosse Aufwand für Organisation und Koordination des Unterrichtsablaufes gehen zu Lasten der Unterrichtsqualität, bringen Einbussen in den individuellen Förderungen der SchülerInnen und führen auch zum Verlust von Ressourcen, welche das Kerngeschäft, das Unterrichten massgeblich negativ beeinflussen. Gerade der Fremdspracheunterricht gemeinsam mit mehreren Klassen in demselben Raum führt zu weniger Inhalten, zu weniger Möglichkeiten im didaktischen und methodischen Bereich, zu stark reduzierten Möglichkeiten der Differenzierung und zu einem klaren Qualitätsverlust. (TAGBLATT 4. DEZ 2009)

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  2. Qualitätsverlust 2

    In unseren heterogenen Klassen ist eine natürliche Altersdurchmischung stets vorhanden, auch ohne eine "künstlich herbeigeführte" Jahrgangs- oder Stufendurchmischung. Der Aufwand für die reine Unterrichtsorganisation, die Planung, Fächeraufteilungen beeinträchtigt klar das Zeitgefäss für die Planung der Unterrichtsqualität. Speziell Klassenlehrpersonen mit grossen Pensen sind im Mehrklassensystem unter den heutigen Bedingungen arg gebeutelt! Darunter leidet das Kerngeschäft und die Qualität.

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  3. Nathalie Hermann28. Januar 2010 um 09:38

    Mir ist es bei der Diskussion rund um das ADL wichtig, dass wir beide Modelle (Jahrgangsklassen – altersdurchmischte Klassen) wertschätzen, bei beiden die positiven und negativen Seiten betrachten und die zwei Modelle NICHT gegeneinander ausspielen.
    Ich denke, das Wichtigste beim Unterrichten ist nicht in erster Linie das Modell, sondern was die Lehrperson aus dem Modell macht und die Beziehung zu den Kindern.
    Ich habe letztes Jahr mit meiner damaligen Stellenpartnerin eine 1.-3. Klasse unterrichtet, und ich wurde immer wieder Zeuge von tollen ADL-Momenten. Es muss einfach für die Lehrperson stimmen. Meine Unterrichtsphilosophie, meine Vorstellungen von guter Schule kann ich jetzt z.B. am besten mit einer altersdurchmischten Klasse verwirklichen. Ich bin „Fan“ des „von- und miteinander lernen“, und dass die Kinder die 3 Rollen der Geschwisterbeziehung durchlaufen. D.h. zuerst sind sie die Kleinen, dann die Mittleren und am Schluss die Erfahrenen, die Verantwortung für die Neuen tragen. Es wird dadurch sehr familiär, was ich sehr mag.
    Ich könnte über ADL jede Menge Seiten füllen, aber ich will den Blog nicht sprengen ;-).
    Gerne bin ich bereit, wenn jemand Fragen hat, sie zu beantworten. Z.B. „Ja, wie habt ihr denn das konkret gemanagt?“ etc. Ich könnte dann auch unseren damaligen Stundenplan zeigen, etc. So kann man sich auch ein Bild machen von ADL, oder man besucht selber mal eine Klasse.

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  4. Ich selber wurde in der 1.& 2. sowie 3.& 4. Klasse aufgrund der kleinen Schülerzahlen im Dorf altersdurchmischt unterrichtet und fand es selber als Kind nicht unangenehm (Ich stehe dem ADL also nicht grundlegend negativ gegenüber). Auch heute gibt es für mich durchaus positive Aspekte des ADL, jedoch möchte ich folgende Bedenken mal äussern. Für Lösungsvorschläge bin ich natürlich offen :-)

    Wenn ich mein jetziges Schulzimmer sehe, in welchem mit einer frontal ausgerichteten Pultordnung kein bisschen Platz übrig bleibt für einen zusätzlichen Tisch oder Ähnliches, kann ich mir einen stufendurchmischten Unterricht in diesem Zimmer nicht vorstellen. In meinem "damaligen" Klassenzimmer war genügend Platz, die Klasse an Gruppentischen und somit teilweise stufengetrennt arbeiten zu lassen, und auch in anderen Schulhäusern, in denen ich das Modell des ADL gesehen habe, sind die Zimmer um einiges grösser, sodass mehr Platz bleibt, sich bei stufengetrennten Arbeiten zurückziehen zu können, was meiner Erfahrung nach trotz ADL noch stoffbedingt nötig ist. Da uns aber keine Gruppenräume zur Verfügung stehen und das Arbeiten im Gang nicht wirklich erlaubt (Feuerpolizei) und auch nicht immer angenehm (Kälte) ist, frage ich mich, wie dieses "Platzproblem" gelöst werden kann.

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  5. Eine Bemerkung voraus: Machbar ist ADL allemal. Immer wieder gab es in den letzten Jahren auch im Blatt Klassen, die aus Anlass von Schülerzahlmathematik durch Zusammenfügen von Kindern aus verschiedenen ‚Quellen’ gebildet wurden. Letztmals unterrichtete Susanne Morf vor etwa 4 Jahren eine solche Abteilung.
    Etwa in derselben Zeit führten wir ja eine umfangreiche Evaluation dieser Form durch, mit Besuchen in mehreren Schulen. Nach langen Diskussionen kamen wir grossmehrheitlich zum Schluss, diese Form bei uns nicht ohne äussere Notwendigkeit einzuführen. Gründe gerade aus fachlichen Gegebenheiten haben Urs und Petra hier schon angeführt. Sie betreffen vor allem die Mittelstufe und haben sich seither durch das ‚Heraufwachsen’ des Englischunterrichts nicht gemildert. In den besuchten Schulen war das Franz durchwegs in Halbklassen aufgeteilt, und die Möglichkeiten zum Parallelisieren sind ja nicht grösser geworden. Zudem war die Integration erst in sehr kleinem Mass über die Schulen hereingebrochen. Auch hatten alle wesentlich bessere räumliche Rahmenbedingungen als wir hier im Blatt oder im alten Schulhaus Oberdürnten. Die bei ADL in Aussicht gestellten zusätzlich Resourcen an VZE sind mehr als bescheiden.
    Aus den Erfahrungen aus meiner Unterrichtszeit an der Kleinklasse und mit IF melden sich bei mir noch weitere Bedenken:
    Zwei Klassen im gleichen Raum bedeuten sehr häufig mündlichen Unterricht für die einen neben stillem Vor-sich-her-Arbeiten für die anderen. Das mag einige schulisch gut ausgerüstete Kinder nicht gross stören. ‚Meine’ Kinder sind aber in ihrer überwiegenden Mehrheit dafür nicht stark genug. Der Stoff der anderen Gruppe wird sie kaum interessieren, ablenken aber schon. Auch weil die Präsenz der Lehrerin oder des Lehrers nicht so fühlbar ist wie in einer ruhigen Arbeitssituation. Ich habe immer wieder erfahren, wie sehr gerade diese Kinder eine längere wirklich stille Zeit schätzen. Es sind nicht die, welche vor Ideen sprühen und sofort interessiert auf irgend etwas einsteigen können, das sie aus dem Augenwinkel wahrnehmen. Häufig liegt ihr Kapital darin, durch beharrliche Übung und Sorgfalt zu möglicherweise nicht originellen, aber sicheren und zuverlässigen Ergebnissen zu kommen. Und diese Kinder treten beileibe nicht nur in der Kleinklasse oder im IF auf. - Gerade im IF in OD fällt mir immer wieder auf, wie gerne die Kinder gerade bei heiklen ‚Nacharbeiten’ in den – urgemütlichen – Gang mitkommen, um einen Moment völlig ungestört zu sein.
    Ich glaube, auch der Lehr- und Lerneffekt der Kinder untereinander wird in seiner Wirkung überschätzt. Ein pfiffiges ‚Grosses’ und ein ebensolches ‚Kleines’ werden sicher ab und zu voneinander etwas mitnehmen können, das wir auch mit Freude zur Kenntnis nehmen. Wenn aber bei einem oder beiden der Pfiff in der hier nötigen Art fehlt, läuft da nicht viel, und meist merken wir davon nichts, weil sich das im Stillen – nicht - abspielt. Zudem gibt es auch durchaus pfiffige Kinder, die für die Zusammenarbeit mit Jüngeren und/oder Schwächeren kein Talent haben. Und dafür ja auch nicht in die Schule gehen. Ich kenne anderseits einige Mädchen, die vor übermässigem ‚Schülerlen’ in ihrem Interesse abgehalten werden mussten. Und mehr als einmal habe ich in der zweiten Klasse gehört: Endlich muss ich mich nicht mehr immer – in Anführungszeichen – mit den Kleinen abgeben oder von mich von ihnen stören lassen.
    Eine weitere Bemerkung zum Schluss: Wenn ich die letzten paar Jahre hier in unserer Schuleinheit so innerlich vorbeiziehen lasse, sehe ich sinnvolle Prioritäten nicht darin, uns auf ein in jedem Fall anstrengendes und Kräfte zehrendes Experiment einzulassen. Auch wenn es mich nicht - mehr – stark betrifft. Ein stabiles Umfeld ist wohl für das Gesamtwohl unserer Kinder wesentlicher.

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  6. Auch ich gewinne gerade in den ersten Schuljahren dem altersdurchmischten Lernen, bzw. dem sozialen Aspekt auch Vorteile ab und erkenne auch den familiären Charakter an gewissen Schulen mit AdL. Ob mit oder ohne AdL, altersdurchmischte Klassen haben wir ja alle. In meiner 6. Klasse tummeln sich vom 11-14-Jährigen einige Alterstufen! Die Klassen sind da altersdurchmischt ohne AdL, bzw. der Begriff müsste eigtentlich in SdL (=stufendurchmischtes Lernen) neu definiert werden:-) Zudem herrscht bei uns beispielsweise im "Blatt" ein familiäres Umfeld. Jeder kennt da jeden auf dem Pausenplatz und die Kinder und Lehrpersonen kennen sich alle sogar beim Namen.
    Ob mit oder ohne AdL eine unserer dringlichsten Aufgaben ist es sozial zu wirken. Eine gute Klassengemeinschaft, ob mit oder ohne AdL-SdL zeichnet sich in jeder Klasse durch eine familiäre Atmosphäre aus. Das gewichte ich in meinem Unterricht als sehr wichtig ein. WWW= Werte-Wissen-Wachstum. Ohne Werte ist Wissen und ein gesundes Wachstum ja gar nicht möglich. Dem ersten W ordnet jede engagierte Lehrperson sehr viel unter.

    Auf der MST werden im Laufe des 3-Jahres-Turnus dann aber die Argumente betreffend Oberstufe immer prioritärer und das Sozialgefüge greift ja auch immer besser, auch wenn pupertäre "Schübe" ab und zu wieder zu Schwankungen im Sozialgefüge führen können.

    Gerade auf der MST werden auch seitens Elternschaft sehr viele kritische Stimmen gegenüber AdL-Klassen laut, und auch ich als damals betroffener Vater einer AdL-Tochter kann mich mit diesen kritischen Stimmen identifizieren.

    Auf der Mittelstufe, gerade bei stärkeren Kindern kommt die Qualität zu kurz. Meine Tochter damals musste (zu)oft soziale Aufgaben in der Klasse übernehmen, musste sich zu oft - und sie tat es anfänglich nicht mal ungern - jüngeren Kindern widmen, behilflich sein, betreuen, schlichten, da und dort und war selbst zuwenig schulisch gefordert. Statt sich differenzierten, individuellen und anspruchsvolleren Mathematikherausforderungen zu stellen, betreute sie jüngere Kinder, ja beklagte sich anfänglich nicht einmal. Später dann aber ärgerte sie sich immer öfters darüber zu oft "Hilfestellungen", Betreuungsaufgaben und Schlichtungsaufträge bieten zu müssen.
    Jetzt in der Oberstufe bereut sie aber immer wieder, dass sie in der MST-Zeit zuwenig gefordert wurde, zuviel damit beschäftigt war sich sozial zu betätigen und zuwenig in ihre eigene Förderung gesetzt zu haben. Sie schätzte sich ab der 1. OS glücklich mit Mädchen ihres Alters den Unterricht zu besuchen und sich nun auch mit mehr oder weniger "Gleichgesinnten" austauschen zu können. Gerade in der MST fallen doch auch pupertäre Aspekte immer mehr ins Gewicht und der gegenseitige Austausch mit "Jahrgangsgleichaltrigen" wird gesucht.

    Gerade Eltern von leistungsstärkeren Kindern bekräftigten diese Argumente mehrfach.

    Dass aber die MST auch davon in erhöhtem Masse profitiert, wenn die Kinder sozial, familiär "geschult" sind, will ich keinesfalls bestreiten. In der MST, gerade bei uns im "Blatt", wo die 4., die 5. und die 6. Klasse sich ständig begegnen, gemeinsam täglich zusammen sind, gemeinsame Projekte bestreiten, jeder jeden kennt, empfinde ich unsere Schule als sehr sozial und familiär. Da, aber das Niveau der Kinder, wie aber auch der Elternschaft hier bei uns sehr hoch ist, sind auch die Anforderungen gross und die Aspekte der Eltern auf individuelle schulische Förderung berechtigt.

    Wir freuen uns aber auf eine sachliche Diskussion und finden sicherlich, vielleicht auch stufendifferenzierte Lösungen.

    Nathalies Argument, dass nicht das Modell, sondern das, was der Lehrer aus seinem Unterricht macht, entscheidend ist, kann ich nur bekräftigen. Der gute Unterricht, egal in welchem System ist entscheident für die Entwicklung der Kinder, der Klasse und der Schule, aber auch wie Ruedi richtig bemerkt EIN STABILES UMFELD, ein harmonisches Team, das sich für dieselben Wertvermittlungen einsetzt und engagiert.

    Gruss Urs

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  7. Überforderung lernschwacher Schüler

    Die Umstellung auf AdL erfordert insbesondere auf der MST je nach Stufenzusammenlegungen enormen organisatorischen Aufwand. Gerade im Fremdsprachenunterricht Englisch und Französisch, aber auch in der Mathematik (Eine Vielzahl unserer Lektionen als Klassenlehrer) ist jahrgangsdifferenziertes Unterrichten unerlässlich und die Zusammenlegung bei unserer eingeengten Schulzimmerräumlichkeit auch mit Wochenplan- und Werkstattunterricht belastend. Die Möglichkeiten sich bei uns im „Blatt“ grosszügig zu bewegen (Schulzimmerfläche= 64m2) sind nicht vorhanden. Die beengenden Platzverhältnisse beeinträchtigen die Konzentration, lassen wenig Bewegungsfreiheiten, z.B. für Werkstätten, Selbstkorrekturen oder Postenarbeiten zu und führen zu Reibungspunkten, die ich bei unseren Verhältnissen dann mit einer „Batteriehaltung von Hühnern“ vergleich. Gerade lernschwache, verhaltensschwierige Schüler sind dann erwiesenermassen überfordert.
    Der Aufwand im organisatorischen Bereich oder in der Tagesplanung gerade bei unseren Platzverhältnissen ist auf der MST enorm erschwerend und belastend, nicht nur für die Kinder, sondern auch für uns Lehrkräfte und es ist bereits erwiesen, dass AdL-Unterricht in einer Mehrklasse immer häufiger auf die Schultern von mehreren Lehrkräften verteilt werden muss und als Klassenlehrperson im Vollpensum kaum mehr zu bewältigen ist, wenn man nicht gewillt ist „Abstriche“ in Kauf zu nehmen. Viele Mehrklassen werden teilweise von 4-6 verschiedenen Lehrpersonen unterrichtet! Zu viele Bezugspersonen schaden erwiesenermassen der Entwicklung der Kinder.
    Dazu ein Zitat von Peter Schmid, Schulpsychologe und Dozent am Heilpädagogischen Seminar Zürich zu dieser Thematik im TAGBLATT, 8. Februar „Schule braucht Besinnung“: „Den häufigen Wechsel von Bezugspersonen vertragen gerade jene Kinder schlecht, die Lernschwächen und Erziehungsdefizite aufweisen.“
    Und dieser Mann hat sicherlich praktische Erfahrung. Neben bei erwähnt: Sehr empfehlenswerter Bericht, der auch all die heutigen Reformen thematisiert und unserer Volksschule wieder mehr bahnbrechende Einsichten in die Entwicklungspsychologie wünscht.

    Gruss Urs

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  8. Team "Blatt"

    Werte KollegInnen in Oberdürnten.
    Ich befinde mich so kurz vor Ferienstart nicht nur verbal, sondern auch schriftlich gerade in "Hoch-Form":-) Entschuldigt meine erneuten Einträge, die uns aber alle - hoffentlich - bei der Diskussion behilflich sein werden.

    Gemäss Aussagen vieler LPs in und um Dürnten herum, sei entscheidend, dass mindestens eine 2/3-Mehrheit den Umstieg auf AdL oder andere Reformen trägt. Bei uns im "Blatt" sind wir momentan noch weit davon entfernt stufenübergreifendes Lernen zu tragen, erkennen doch aber euere teils ganz anderen Überlegungen auf der GST/UST in Oberdürnten bei ganz anderen Voraussetzungen und Räumlichkeiten.

    Wird spannend werden "Quoten & Voten" im Detail, bzw. in den Schuleinheiten zu erfassen.

    Gruss und allen erholsame, herrlich-winterliche Sportferien

    Urs

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  9. Gedanken zum „Altersdurchmischten Lernen“


    Wir haben euer grosses Argumentarium gelesen und verstehen grundsätzlich alle Bedenken, welche ihr dem AdL gegenüber empfindet.
    An unserer Grundstufe haben wir andere räumliche Bedingungen und die Chance, während 12 Lektionen im Teamteaching zu unterrichten. Darum sehen wir viele Vorteile im AdL.

    Im AdL haben auch schwache Kinder die Chance, einem jüngeren Kind etwas zu erklären. Das Erklären und Verbalisieren festigt das eigene Wissen. Manchmal lernen Kinder besser von anderen Kindern. Sie verstehen ihre Sprache und/oder Gedankengänge besser.
    In einer Jahrgangsklasse sind die schwachen Kinder meist nur „Hilfeempfänger“.

    Falls die GST definitiv wird, sollte der Anschluss auch altersdurchmischt weitergeführt werden.

    Ein gutes Teamteaching ist eine Bereicherung für die Kinder, die Eltern und die Lehrpersonen.
    Ein problematische Zusammenarbeit kann sehr schwierig werden für alle Beteiligten.

    AdL bringt mit sich, das „Gemeinsame“ statt die Konkurrenz zu erfahren.

    Am Anfang bringt ein adL mehr Arbeit. Dies dürfte kaum länger als 2 Jahre dauern. Die Kinder können sich gegenseitig das Organisatorische und die Regeln im Klassenzimmer weitergeben.

    Wenn die tollen Möglichkeiten, wie sie in der Grundstufe möglich sind, auf die ganze Schule übertragen werden könnten, kann das AdL eine grosse Bereicherung für alle Beteiligten sein.

    Annemarie Rossel und Ursula de los Santos

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  10. Müssen wir altersdurchmischtes Lernen einführen? Machen wir das nicht sowieso tagtäglich in all unseren Klassen? Auch in Jahrgangsklassen sind die Kinder in verschiedenen Entwicklungsstufen.

    Im grösseren Teil meiner Berufstätigkeit hatte ich altersdurchmischte Klassen zu führen. So oder so konnte ich die Kinder bei ihrem persönlichen Entwicklungs- oder Wissenstand abholen und individuell fördern. So oder so konnte ich auch der Zusammenarbeit und der Hilfsbereitschaft Raum geben. So oder so versuchte ich die Kinder zu Lernpartnerschaft anzuregen und nicht zur Rivalität. Meine Arbeit empfand ich jedoch als wesentlich strenger im Mehrklassensystem, weil der zu vermittelnde Lehrstoff zwei Jahresziele oder mehr umfasste. Wenn ich parallel eine durchmischte Klasse und eine Jahrgangsklasse führte, stellte ich fest, dass ich bei der Jahrgansklasse viel mehr Raum für eigene Ideen und individuelle Lösungswege geben konnte. Bei der AdL Klasse war ich immer im Verzug mit der Zeit.

    Ich finde, dass Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen in verschiedenen Rollen nicht eine Frage von „AdL oder nicht AdL“ ist, sondern grundsätzlich eine Frage der Lernform.

    Ich habe meine eigene Schulzeit grösstenteils in durchmischten Klassen erlebt und sehr genossen, bis ich in den weiterführenden Schulen viel nacharbeiten musste, um bei meinen (in Jahrgangsklassen geschulten) MitschülerInnen wieder mitzuhalten.

    An der letztjährigen ZLV Tagung über AdL habe ich als Quintessenz herausgehört, dass die meisten LP AdL als anstrengender und sehr viel aufwändiger erleben. Wo sich das aber wegen Schülerzahlen aufdrängt, wurde das Beste daraus gemacht, aber mit kleineren Klassenzahlen und mehr Raumangebot muss gerechnet werden können.

    Kurz: Ich finde altersdurchmischtes Lernen gut, ich wende es in all meinen Jahrgansklassen an, allerdings finde ich eine Einführung von Mehrklassenunterricht völlig überflüssig.

    Rosmarie Egli

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  11. Christine, Teil 1:

    Mir ist es wichtig, meine Klasse optimal zu führen und zu unterrichten. Am liebsten eben in den Jahrgangsklassen, wofür ich mich bei meiner Stellensuche damals beworben hatte und ich mich auch heute noch wohl fühle dabei.

    Ich bin keine Gegnerin von einer „natürlichen“ Doppel- oder Mehrklasse in Aussenwachten oder um mit den gegebenen Schülerzahlen eine ganze Klasse mit verschiedenen Jahrgängen zu füllen. Hier macht es klar Sinn, dass man solche Klassen logistisch führt und sie werden sicherlich auch hervorragend und mit viel Herzblut geführt.

    ADL kann auch eine abwechslungsreiche Unterrichtsform sein, z.B. in einer Projektwoche oder in regelmässig stattfindenden klassenübergreifenden Lektionen. Hingegen begrüsse ich künstlich eingeführte Doppel- und Mehrklassen aus irgendwelchen Gründen überhaupt nicht.

    Man kann altersdurchmischte Klassen in einer Grundstufe nicht mit Doppel- und Mehrklassen auf der Mittelstufe vergleichen. Das sind zwei völlig unterschiedliche Voraussetzungen. Wir haben einen viel umfangreicheren Stoffplan, den wir in allen Fächern innerhalb der drei Jahre zu erfüllen haben (mit den Fremdsprachen Englisch und Französisch sind, nebst der Mathematik und dem Deutsch, zwei weitere „Hauptfächer“ hinzugekommen). Wir müssen den Schülern den Stoff in unserem Unterricht umfassend vermitteln können, damit sie den Anschluss ans Gymnasium oder an die Sekundarschulen schaffen können. Die Komplexität der Stoffvermittlung ist hier viel umfassender als noch auf der Grund- oder Unterstufe.

    Im Blatt haben wir auch nicht den „Luxus“ von Teamteaching oder von weiteren Gruppenräumen. ADL ist folglich bei uns auf der Mittelstufe nicht realistisch durchführbar, da man diese personellen und räumlichen Vorrausetzungen, welche die Grundstufe geniesst, nicht hat!
    Ein Vorteil der Regel-/Jahrgangsklasse, nebst den vielen anderen, die bereits andere Blogg-Besucher geäussert haben, ist, dass die Regelklasse für viele Kinder oft der einzige Ort ist, an dem sie eine längere Beziehung zu einer Gruppe von Mitmenschen leben und pflegen müssen. Sie müssen ein Wir-Gefühl entwickeln, müssen lernen, was es heisst eine beständige Einheit zu bilden, darin zu bestehen, sich anzupassen, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Das Zusammenwachsen einer Regelklasse ist ein höchst anspruchsvolles soziales Lernen! „Wir sind eine Klasse, wir haben turbulente, lustige, auch schwierige Zeiten durchlebt und sind miteinander und aneinander gewachsen.“ Dies können nur Kinder berichten, die in einer Regelklasse ihre Schullaufbahn durchlebt haben. Kinder in der Mehrklasse bestehen nur eine kurze Zeit als „Klasse, denn nach einem Jahr gehen ältere Mitschüler weg und jüngere Kinder kommen hinzu, man muss sich wieder für ein Jahr neu finden. Dies mag einerseits auch eine wertvolle Erfahrung und Herausforderung sein – nur muss dieses Modell ja nicht die ganze Primarschulzeit genau gleich sein.

    Der ganze Zeitaufwand für diese erneute Diskussion um das ADL ist mir ein wenig zu kostbar. Bereits im Schuljahr 2006/2007 haben wir uns intensiv mit der Thematik „Mehrklasseneinführung in unserer Schuleinheit“ auseinandergesetzt. Wir kennen die Referate von Xavier Monn und den mehrklassenbegeisterten Lehrpersonen bereits, wir besuchten mehrere Bilderbuch-Mehrklassen in der Region und wir haben fundierte Pro- und Kontradiskussionen geführt. Trotz all dem stimmte damals die Lehrerschaft mit deutlicher Mehrheit gegen eine Einführung von Mehr- oder Doppelklassen in unserer Schuleinheit!
    Ein erneuter Vorstoss, um in unserer Schuleinheit ADL nach der Grundstufe weiterzuziehen, ist nicht ein Bedürfnis der Mehrheit der Eltern, auch nicht der Schüler und schon gar nicht der zur Zeit tätigen Lehrpersonen, die von einer solchen Einführung nämlich betroffen würden. (ob es auch ein Bedürfnis der Steuerzahler wäre, bezweifle ich auch, denn um gelungene und vorbildliche Mittelstufen-Mehrklassen im Blatt zu unterrichten, benötigte man zusätzliche Schulräume und Lehrpersonen...).

    Fortsetzung in Teil 2 nachfolgend:

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  12. Christine, Teil 2 Fortsetzung von oben:

    In unserer Schuleinheit haben die Schüler als Start ein ADL im Grundstufenversuch und die Kinder konnten somit drei Jahre darin Erfahrungen sammeln. Toll! Aber ebenso wichtig ist danach für diese Kinder, dass sie sich auch in einer Jahrgangsklasse bewähren lernen. Unbestritten ist nämlich, dass die Schüler sich über kurz oder lang an die Jahrgangsklasse gewöhnen müssen. Wäre dies nicht so, müsste man konsequenterweise von der Oberstufe, den Gymnasien, den Berufsschulen usw. ebenfalls fordern, dass nur noch altersdurchmischte Klassen angeboten werden. So ist es aber nicht!

    Was mich auch noch interessieren würde, wären die Meinungen der Unterstufenlehrkräfte (2. und 3. Klasse), deren Klassenstufen ja unmittelbar an die Grundstufe folgen. Wie ist eure Meinung eigentlich dazu? Welche Erfahrungen macht ihr mit den Abgängern aus der Grundstufe? Wo bringen die Kinder Vor- und wo Nachteile aus den Erfahrungen der Grundstufe mit? Wie steht ihr zu einer möglichen Umstellung zu Doppelklassen?

    Christine

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  13. Liebe Lerser/innen, nun versuche auch ich meine Gedanken bezüglich ADL schriftlich zu bündeln:
    Meine ersten Erfahrungen diesbezüglich konnte ich in meiner eigenen Schulzeit, in der 1. Klasse sammeln. Darauf möchte ich mich jedoch nicht stützen, da die Zeit schon einige Erinnerungen vertilgt hat.
    Hauptsächlich damit konfrontiert wurde ich vor 2 1/2 Jahren, als meine beste Kollegin eine Stelle annahm, an welcher Mehrklassen- Unterricht schon längst an der Tagesordung war. Ihre neue Stufe: 4.- 6. Klasse. Sie haben sich im Schulhaus super organisiert, indem jede Lehrperson für eine Stufe vorbereitet hat und danach wurde ausgetauscht. Somit konnte der Mehraufwand in Grenzen gehalten werden.
    Meine Kollegin berichtete mir gutes wie schlechte: Für schwächere Schüler sei es eine Hilfe und Aufmunterung gewesen, da sie auch mal helfen konnten und nicht immer Hilfe annehmen mussten. Für stärkere Schüler war es sozial gesehen sicherlich förderlich, jedoch wurden sie schulisch weniger gefördert.

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  14. Hallo ihr Lieben

    Nachdem ich mich durch alle Kommentare gearbeitet habe, weiss ich nicht mehr was ich noch gross schreiben kann.

    Wie ich schon oft gesagt habe, müssen wir uns für ein Konzept entscheiden. Das ist mir das Wichtigste. Durch die Mischung der beiden Systeme schaffen wir für die Schüler/innen keine optimalen Lernvoraussetzungen.

    In anbetracht unserer räumlichen Möglichkeiten in der Primarstufe halte ich es für schwer das ADL erfolgreich durch zu führen. Für mich ist die Vorstellung in den jetzigen Räumen ADL zu unterrichten frustrierend. Den Mehraufwand, den ich als Junglehrer sicher stark spüren würden, ist mir nicht so von Bedeutung, aber zu sehen, dass sich der Aufwand nicht auf den Lernerfolg der Kinder auswirkt, ist frustrierend. Ich kann einen guten Unterricht planen, aber in mit ADL in einem Raum durchführen kann ich nicht mit gutem Gewissen.

    Ausserdem spüre ich in der Schuleinheit vom Grossteil der Lehrerschaft eine Abneigung gegen das ADL. Diese Tatsache wird sich sicher auch auf die Stimmung im Team auswirken, falls wir auf ADL umsteigen. Ich möchte mich nicht jedes Jahr von mehreren Kolleginnen und Kollegen verabschieden müssen, nur weil nicht auf die Stimmung im Team geachtet wurde.

    Alles in allem habe ich für beide Systeme Sympathien. Für die aktuelle Lage in unserer Schuleinheit muss ich mich aber für das Regelklassensystem aussprechen.

    Liebe Grüsse Richard

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  15. Mir geht es etwa gleich wie Richard...Ihr habt schon so vieles zum ADL geschrieben. Ich finde, dass man zuerst einmal die Abstimmung zur Grundstufe abwarten sollte bevor man wieder eine "neue" Schulform einführt. Angenommen die GS wird im 2012 abgelehnt, muss man ja sowieso die ganze Situation neu überdenken!
    Frage mich auch wie das für die Eltern wäre, wenn wir aufs neue Schuljahr das ADL einführen und dann ein Jahr später schon wieder alles anders ist...Finde, dass gerade in unserer Schuleinheit momentan Konstanz in allen Belangen erstrebenswert ist.
    Wir könnten ja auch die Lehrer vom BoTa, die in altersdurchmischten Klassen arbeiten nach ihrer Meinung fragen.

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